Ist Islamkritik Islamophobie? Der Angriff auf die Aufklärung – von links

theorieMeine Artikelserie über Sarrazin setze ich fort – gegen Sarrazin, für Islamkritik.

Dabei finde ich Unterstützung bei Stefan Zenklusen (telepolis), der die Situation in Frankreich im Auge hat:

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Muss man sich Islamophobie oder Rassismus vorwerfen lassen, wenn man sich in einer islamischen Umgebung unwohl fühlt?

Oder wenn jemand, der nicht viel über Geschichte weiß, meint, der Islam habe nie eine bewundernswürdige Kultur hervorgebracht?

Oder wenn Leute keine Unterschiede zwischen Schiiten und Sunniten kennen?

Studien, die aus solchen Faktoren auf Rassismus schließen möchten, seien”sozial-rassistisch”. Sie würden von der Verachtung elitärer Gruppen für die weniger Gebildeten, für die Unterschicht zeugen.

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objektiv gesehen gibt es Übereinstimmungen zwischen dem Rechtspopulismus oder -extremismus und dem links-islamophilen Kulturrelativismus. Letzterer hat den Universalismus fallen gelassen zugunsten der Pflege von Mikroidentitäten und des Islam. Pauschal ausgedrückt, hat der Heideggersch angehauchte Dekonstruktivismus obsiegt über die Aufklärung der Aufklärung Adornos, bei der immer Aufklärung bewahrt wird. (…)

Auffällig für den linken Kulturrelativismus ist die Ideologie der Cultural Appropriation, die den Rassen eine Kultur zuweist und teilweise sogar dafür einsteht, dass sich diese Kulturen nicht allzu fest vermischen sollten. Ein Rechtsextremer könnte dieses Konzept vorbehaltlos unterschreiben. Auffällig in den frankophonen Gebieten ist, welche Definitionsmacht diese postmodernistische Linke errungen hat, und auf welch aggressive Weise diese Position verteidigt wird.

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Der sich als “antirassistisch” verkaufende Diskurs im frankophonen Europa (hierzu gehören auch Wallonien, Brüssel und die französische Schweiz) hat sich zu einem semitotalitären islamophilen McCarthyismus entwickelt, der auch die Praxis im deutschsprachigen Raum in den Schatten stellt.

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Ein weiteres Beispiel dieses ideologischen Ukas ist ja der Fall Daoud, der auch international wahrgenommen wurde.

Der algerische Schriftsteller Kamel Daoud veröffentlichte 2016 in Le Monde einen Artikel, in dem er vor dem Hintergrund der Ereignisse von Köln die Beziehungen des Islam zur Frau und zur Sexualität thematisierte.

Daraufhin unterschrieben 19 französische Anthropologen und Soziologen eine Reaktion, in der sie Daoud, der bekanntlich im eigenen Land durch Islamisten bedroht wird, des Essentialismus, des Orientalismus und der Islamophobie bezichtigten.

Hier hat sich der Antirassismus endgültig zu einem im Habermasschen Sinn asymmetrischen, herrschaftlichen, autoritaristischen Diskurs verwandelt.

In dem Papier dieser Wissenschaftler weht der Geist von Vichy: Dies ist Kollaboration im Kontext heutiger Verhältnisse. Als Linker hoffe ich, dass sich die Linke endlich deutlich von solchen regressiv-autoritaristischen Tendenzen distanziert.

Den sozialen Hintergrund – die Situation in den Banlieus – erläutert Zenklusen in einem anderen Teil des Interviews.

Die Situation scheint mir in Deutschland noch nicht so schlimm zu sein. Aber ich habe gemerkt, dass es dazu auch bei uns Ansätze gibt. So habe ich zum Beispiel kürzlich in einem Buch über Rassismus lesen müssen, dass Rassismus grundsätzlich zu definieren sei als eine Angelegenheit von Weißen gegen Nichtweiße; dass es also kein Rassismus sei, wenn (“scheinbar”?) vergleichbare Vorgänge andersherum oder zwischen Nichtweißen vorkommen.

Ich habe nicht schlecht gestaunt … Ein offen antiweißes rassistisches Statement würde ich diese Definitionszumutung nennen.

Ich lese gerade – neben Sarrazin und als Kontrastprogramm – Ahmad Mansours wunderbares Buch mit dem Titel “Klartext zur Integration“. Auch daraus werde ich bald zitieren. -

Es gibt auch in Deutschland die anti-aufklärerische Tendenz, die muslimisch-partriarchalische und autoritäre GEGENgesellschaft zu schützen, und sie kommt häufiger vor, als ich es bisher bemerkt habe.

Kommentare

  1. Frank Berghaus meint:

    Eine akzeptable Islamkritik ist nur sinnvoll im Rahmen einer allgemeinen Religionskritik wie sie von Humanisten betrieben wird. Deshalb wird gegen uns auch nur in verwirrten Ausnahmefällen der Vorwurf der Islamophobie erhoben.

    Wir teilen diese Islamkritik übrigens in weiten Teilen mit den liberalen Muslimen, d.h. ohne Attacken auf die spirituellen Teile. Wir beschränken uns auf die Übergriffigkeiten, die nun einmal allen Religionen eignen.

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