Seehofer hält die Migrationsfrage für “die Mutter aller politischen Probleme”.

migrationSeehofer:

“Aber die Migrationsfrage ist die Mutter aller politischen Probleme in diesem Land.” Viele Menschen würden jetzt ihre sozialen Sorgen damit verbinden. Wenn der Kurswechsel nicht gelinge, “werden wir weiter Vertrauen verlieren”.

Im Ernst?

Was heißt: “Mutter aller Probleme”? – Doch wohl: die Ursache aller Probleme. Die Mutter gebiert das Kind, und die Migrationsfrage gebiert alle politischen Probleme, die wir haben.

Also, alle Probleme in Deutschland – die Kluft zwischen Arm und Reich, der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in vielen Großstädten, der Verlust an Geborgenheit durch die permanente Revolutionierung unserer materiellen und kulturellen Umwelt, die Finanz-Instabilitäten, die die Weltwirtschaft und damit auch unsere Wirtschaft bedrohen, die Schwierigkeiten der Erziehung in den Familien und der Bildung in den Schulen … – alle Probleme sind letztlich auf die Migrationsfrage zu beziehen? Folge der Migration?

Du machst dir Sorgen um deinen Arbeitsplatz? – Die Migration ist schuld. Die Migranten sind schuld.

Dein Kind lernt nicht gut in der Schule? – Die Migration ist schuld. Die Migranten sind schuld.

Du findest keine günstige Wohnung? – Die Migration ist schuld. Die Migranten sind schuld.

Undsoweiter.

Wo haben wir dieses Muster schon mal gesehen?

“Die Juden sind schuld.” – An allem. Irgendwie. Juden weg – Probleme weg. Irgendwie.

Nun ist Seehofers Migrationsfrage kein Volk, keine Bevölkerungsgruppe. Er sagt nicht: Die Migranten sind schuld oder die “Mutter aller Probleme”. Nicht direkt jedenfalls.

Wie sollen wir seine Bemerkung verstehen?

Er könnte sich gegen meine böse Unterstellung so verteidigen:

Ich mein doch bloß, dass diese Migrationsfragen den Leuten am meisten und am heißesten im Kopf herumgehen. Dass sie das am meisten umtreibt. Dass sie, wenn sie über Politik reden wollen, am liebsten über Migrationsfragen reden.

Verstehen die Leute ihn so?

Sagt ihnen Seehofer nicht, dass sie schon recht haben, wenn sie alle Politik konzentriert sehen auf die Migrationsfrage – und wenn sie damit eigentlich auch alle politischen Probleme den Migranten anhängen?

Soviel wird man sagen können:

  • Seehofer macht die Migranten für alle ernsthaften politischen Probleme, die wir haben, verantwortlich.
  • Seehofer fördert damit Fremdenhass und AfD.

Ich gebe dennoch das letzte Wort hier einem Verteidiger Seehofers, Philipp Amthor und frage mich, ob der Verteidiger hier nicht unter der Hand Seehofer widerspricht (also sagt: Die Migration ist ein wichtiges, ein dringliches Problem – aber doch nicht die Ursache aller Probleme und nicht das wichtigste Problem):

“Selbstverständlich habe Seehofer Recht, wenn er feststelle, dass viele Menschen ihre Sorgen um soziale Sicherheit oder um die Funktionsfähigkeit unseres Staates mit der Migrationsfrage verbinden.

„Unsere Antwort darauf muss die bessere Steuerung und Begrenzung der Migration sein. Wer das verleugnet, braucht sich keine Hoffnung machen, enttäuschte Wähler zurückzugewinnen.“

WELT

 

Kommentare

  1. Korbinian meint:
  2. Frank Berghaus meint:

    Die Mutter aller Probleme heisst Grete und hat das Problem am 4. 7. 1949 zur Welt gebracht.

  3. Frank Berghaus meint:

    Interessante Analyse zum “vereinfachten Denken”:

    http://www.katholisch.de/aktuelles/standpunkt/vater-des-vereinfachenden-denkens

    Und noch grundlegender, weil wir alle betroffen sein können: Zur Toxiztät von Sprache (für mich als Linguisten höchst interessant):

    https://www.heise.de/tp/features/Toxizitaet-oder-die-Sprache-der-Besorgten-4156765.html?seite=all

  4. Zu letzterem Link kommt am Dienstag ein Artikel.

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