Thilo Sarrazin, Leo Brux und Hasnain Kazim: Sind wir “Islamkritiker”?

islamHasnain Kazim lässt mich zögern.

Ist dieser Begriff dem, was ich hier schreibe, wirklich angemessen?

Zunächst würde ich sagen: Ich bin ein (religionsfreundlicher!) Religionskritiker.

Ja, ich kritisiere Religion grundsätzlich. Wobei ich mich selber als durchaus religiös bezeichnen würde, allerdings eben nicht im Sinne der monotheistischen Großreligionen Christentum und Islam. Ich bin Atheist und stehe Kirchen und Religionsorganisationen misstrauisch gegenüber.

Am Islam, so, wie er überwiegend gelebt und gepredigt wird, habe ich einige spezielle Kritikpunkte vorzubringen.

Also könnte ich sagen: Ja, ich bin ein Islamkritiker.

Aber nun Hasnain Kazim (in seinem Buch auf den Seiten 81-84).

(Er ist einer der profiliertesten deutschen Journalisten. Herkunftsland: Pakistan.)

Ein Leser fragt ihn: Sind Sie Islamkritiker?

Kazim antwortet: Nein. Er verstehe sich auch nicht als Islamkritiker.

Der Leser wundert sich. Wir müssten doch zusammenhalten gegen die Muslime.

Kazim:

… ich befürchte, da liegt ein Missverständnis vor. Ich kritisiere “den Islam” nicht. Das habe ich nie getan.

Der Islam besteht aus vielen Werten, Ideen, Weltanschauungen, die man kritisieren kann und darf und muss. Aber so vielfältig sie sind, so unterschiedlich sind auch “die Muslime”.

Und natürlich kann man viele kritisieren, wie sie den Islam dazu benutzen, ihr Handeln zu rechtfertigen.

Kazim erläutert dies dann an Beispielen aus Pakistan.

Natürlich kann man auch den Islam als solchen kritisieren, auch polemisch oder mittels einer Karikatur. Die Reaktion vieler Muslime darauf finde ich ebenfalls höchst kritikwürdig.

Ich finde aber, Kritik am Islam (oder an jeder anderen Religion) überschreitet nur dann die Grenze des Zuslässigen, wenn man eine Gruppe, in diesem Fall: die Muslime, generell dämonisiert und eine differenzierte, individuelle Sichtweise auf Muslime und Islam nicht mehr zulässt.

Leider überschreiten viele “Islamkritiker” diese Grenze permanent.

Das ist etwa bei Sarrazin der Fall. Kazims Buch kam etwa ein Jahr vor dem Erscheinen von Sarrazins Machwerk auf den Markt. Aber seine Schlussbemerkung zu dieser Debatte liest sich wie eine direkte Antwort – und ich schließe mich ihr an:

Schon gar nicht will ich Kronzeuge irgendwelcher selbsternannter “Islamkritiker” und Rechten und  “Retter des Abendlandes” sein für ihre beschränkte Sicht der Welt.

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