“Geh doch nach Anklam!”

multikultur(Das ist ein am Freitag geschriebener Artikel, der am Montag online geht.)

Ächter Münchner: Lauter Ausländer hier. Lauter Fremde. Alles braun und schwarz hier. Wer spricht hier noch Deutsch? München ist total überfremdet. Über 40% Migranten. In den Schulen über 50%. Man fühlt sich hier nicht mehr zuhause. Ist hier noch Deutschland?

Ich: Lieber Mann, ich hab da einen Vorschlag. Anklam! Geh nach Anklam. Da hast du, was du dir wünscht: garantiert nur Deutsche!

Ächter Münchner: Aber ich bin doch Münchner, geborener Münchner, ich will hier in München leben! München ist meine Heimat.

Ich: Versteh ich. Aber unser München ist nun mal bunt geworden, eine multikulturelle Stadt. Du musst dich entscheiden, was dir jetzt mehr wert ist – München, so wie es ist, oder eine Stadt wie Anklam, wo du dann wirklich nur unter Deutschen leben könntest. Du hast die Wahl!

Ächter Münchner: Du kannst mich nicht aus München rausschmeißen! Das ist auch MEINE Stadt!

Ich: Richtig. Ich will dich auch nicht rausschmeißen, mal abgesehen davon, dass ich es auch nicht könnte. Aber du, mein Lieber, du hast die Wahl, und ich frage dich, warum gehst du nicht nach Anklam, wenn dir eine rein-deutsche Umgebung so viel wert ist und das bunte München so unerträglich?

Ächter Münchner: Aber die Anklamer sind keine Münchner! Und Arbeit finde ich dort auch kaum!

Ich: So ist es. Billige Wohnung findest du dort schon, aber kaum Arbeit. Könnte dieses ärgerliche Faktum nicht daran hängen, dass wir in München eben eine vitale multikulturelle Welt haben und sich das auch ökonomisch auszahlt? Wo es Arbeit gibt, gibt es Multikulturalität, wo es Multikulturalität gibt, gibt es Arbeit. Beides bedingt sich. Multikulturalität gewinnt!

Ächter Münchner: So ein Unsinn! Wir Deutsche arbeiten viel besser als die Ausländer!

Ich: Na, der Blick auf Ostdeutschland legt uns doch eher nahe, dass wir hier im Westen mit unserem hohen Einwandereranteil besser fahren.

Ächter Münchner: Die im Osten haben eben einen Standortnachteil. Das sind strukturschwache Gebiete.

Ich: Ja – ein entscheidender Standortnachteil ist: Die Willkommenskultur für Migranten fehlt. Es gibt dort zu wenig Einwanderer. Die Ostdeutschen sorgen dafür. Sie erzeugen ihren Standortnachteil selbst. Wir sollen uns deiner Meinung nach nun in München selber verarmen? 

Undsoweiter.

Ich werde den Mann nicht überzeugen. Er wird weiter jammern und fordern, dass München doch – na ja, wie Anklam – wieder eine DEUTSCHE Stadt werde.

Und ich werde ihm weiter vorschlagen, er möge doch bitte die Konsequenz ziehen, das unerträgliche, überfremdete, undeutsch und unsympathisch gewordene München zu verlassen und in die seiner Meinung nach heilere, sympathischere Welt des deutschen Ostens zu ziehen.

Kann der Ächte Münchner erwarten, dass wir SEIN München in eine homogen deutsche Stadt, in eine monokulturell ethnodeutsche Stadt zurückverwandeln?

Der Ächte Münchner wird sich integrieren müssen ins bunte, multikulturelle München.

Aber er kann es natürlich auch bleiben lassen und als Münchner Bürger weiterjammern.

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