Neue Mittelmeer-Zahlen und meine Einschätzung zu ihnen

asylZahlen

Bis heute – Mitte September – haben es in diesem Jahr ca. 75.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer in die EU geschafft.

Zum Vergleich: 2017 waren es zum selben Datum ca. 130.000, 2016 dito 300.000.

Eine drastische Reduktion, die nicht auf nachlassenden Auswanderungsdruck, sondern auf restriktiveres Vorgehen der EU zurückzuführen ist.

1.600 Flüchtlinge sollen 2018 bisher ertrunken sein. (Möglicherweise mehr. Hinzu kommen die vielen Toten auf dem Weg durch die Wüste und die Toten in den Lagern an der Küste.)

Von den 75.000 haben Spanien erreicht: 32.000; Griechenland: 21.000; Italien: 20.000.

Die meisten der Flüchtlinge stammen aus Schwarzafrika, ein kleiner Teil auch aus islamischen Raum.

Zehn Bemerkungen dazu

(1) Es sind also deutlich weniger geworden und werden in den nächsten Jahren vermutlich noch weniger werden.

(2) Viele von ihnen werden am Ende in Deutschland auftauchen. Viele auch in Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, den skandinavischen Länder, und dort um Asyl nachsuchen. Und es überwiegend nicht bekommen. Und trotzdem dort bleiben, weil der Rücktransfer nicht möglich ist.

(3) Wir könnten mehr aufnehmen, wollen aber nicht. – Die mal anvisierten 200.000 Flüchtlinge als Obergrenze werden wir dieses Jahr wohl unterschreiten.

(4) Die Wirtschaft hält die Grenzen einigermaßen offen, weil für sie die Einwanderung notwendig und ein Gewinn ist. (Die “Linken” hätten nicht die Macht, die von einer Mehrheit gewünschte Grenzschließung zu verhindern.)

(5) Wir merken immer mehr, dass wir bei der Integration der Einwanderer Fehler machen; dass zu wenig darauf achten, dass sie sich wirklich integrieren – können und wollen. (Siehe dazu den Artikel von gestern.) Diese Fehler beunruhigen die Bürger zusätzlich, machen sie pessimistisch in ihren Erwartungen, ob die permanente Einwanderung für uns gut ausgehen kann.

(6) Als Demokrat akzeptiere ich den dringenden Wunsch einer Mehrheit der Bevölkerung nach einer strikteren Begrenzung der Flüchtlings-Einwanderung. Auch wenn ich ihn nicht teile. Ich bestehe aber auf jeden Fall und, wenn es sein muss, auch gegen den Willen der Mehrheit, auf einer humanen Behandlung der Flüchtlinge, sowohl auf ihren Fluchtwegen als auch hier in der EU. “Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Und nicht nur deutsche Staatsbürger haben laut GG ein Recht auf Leben.

(7) Der Hauptteil der Einwanderung nach Deutschland ist EU-intern und hat mit der Flüchtlingseinwanderung nichts zu tun. (Aus demografischen und wirtschaftlichen Gründen braucht Deutschland einen Wanderungsgewinn von ca. 300.000 bis 500.000 Personen pro Jahr, möglichst jüngeren Alters, möglichst schon mit beruflicher Qualifikation.)

(8) Als deutscher Patriot sehe ich das Problem kosmopolitisch.  – Der Patriot schätzt den Patriotismus der anderen so sehr wie den eigenen; als Patriot ist er also immer auch Kosmopolit; ein Mensch unter Menschen.

(9) Die eigentliche Frage ist darum: Was können wir tun, um das Auswanderungsinteresse in Afrika und Asien zu reduzieren? – Dazu fällt uns kaum etwas ein, und das, was uns einfällt, wird nicht gemacht. Wir tendieren dazu, unsere Mitverantwortung für die Ursachen der Fluchtbewegungen zu ignorieren oder herunterzuspielen.

(10) “Hic Rhodus! Hic salta!

Kommentare

  1. Korbinian meint:

    Vielleicht wird die neoliberale Ausbeuterklasse möglichst viele Deutsche mal wieder so arm werden lassen dass sie mehr Kinder bekommen. Dann braucht man auch keine Zuwanderung mehr.

  2. Interessanter Lösungsvorschlag.
    Mir scheint, Salvini arbeitet in Italien daran. Bald werden die Italiener wieder mehr Kinder kriegen, meinte er, und deshalb brauche Italien keine “schwarzen Sklaven” (Asselborn hatte von der demographischen Herausforderung gesprochen).
    Wie jetzt die Italiener wieder dazu zu kriegen wären, dass sie mehr bambini in die Welt setzen, hat er uns nicht verraten – aber dein Vorschlag, Korbinian, dürfte Salvini naheliegen. Radikale Verarmung der Italiener durch faschistische und inkompetente Politik.

    Die Italiener sind begeistert. Wir vernehmen, dass besonders Salvini jetzt überaus beliebt ist.

    Schließlich macht er erfolgreich ein für Italien marginales Problem zur Mutter aller Probleme, und dieses geht er mit faschistischer Rasanz an.

    Es ist aber nicht nur ein demographisches Problem.

    (1) Wir haben heute einen globalen Markt, eine globale Vernetzung von einer nie dagewesenen Dichte. Also bekommen wir auch, ob wir das wollen oder nicht, einen globalen Arbeitsmarkt.

    (2) Irgendwelche Überlegungen zu Afrika stellt Salvini nicht an. Möglich, dass Europa einige Jahre lang durch brutale mörderische Abschottungspolitik die Einwanderung aus Afrika weitgehend reduzieren kann. Einige Jahre lang. Die Probleme in Afrika, die zur Flucht von dort motivieren, werden aber hinter der Abwehrmauer größer und größer. Auch in diesem Punkt ergibt sich, dass die Vernetzung, die wechselseitigen Abhängigkeiten, die Interdependenz einfach zu stark geworden ist, als dass Abschottungspolitik auf längere Sicht funktionieren könnte.

    Es ist also wie 1990 in Deutschland. Um zu verhindern, dass von den 17 Millionen Ex-DDR-Bürgern 10 Millionen und mehr ins reichere Westdeutschland umziehen, hat die Regierung den Soli aufgelegt und jede Menge Geld im Osten investiert, dort die gesamte Infrastruktur renoviert … So ist dann dort die Einwohnerzahl nicht auf 7 Millionen oder noch weniger gesunken, sondern nur auf ca. 13 Millionen.

    Wir müssen die Erde heute als EINEN Wirtschaftsraum und EINEN politischen Raum betrachten.

    (Auch aus ökologischen Gründen. Das kommt noch dazu.)

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