Sarrazin: “Feindliche Übernahme” (5) – Muslime als Mehrheit?

islam

(Fortsetzung von gestern)

Kaum eine Rezension von Sarrazins Buch ist bisher auf seine abenteuerliche Rechnung eingegangen.

Vielleicht kommt diese Auseinandersetzung noch. Ich hoffe, ein kompetenterer Analytiker als ich macht sich an die Arbeit.

Vorab also mal die Überlegungen eines Laien.

(1)

Sie kriegen mehr Kinder als die Nicht-Muslime.

Das wird so bleiben – und doch nur marginale demografische Auswirkungen haben, da auch in muslimischen Familien die Kinderzahl sich ab der zweiten Generation bei zwei einpendelt.

Von daher kommt also keine wesentliche Zunahme des Anteils der Muslime in Deutschland. Bis 2050 wäre es ein Wachstum von 6 auf 7% der Bevölkerung.

(2)

Interessant ist die Einschätzung der Einwanderungsentwicklung.

Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass sich die relativ hohe Zahl von muslimischen Einwanderern 2010-2016 (850.000 insgesamt) wiederholt.

Von dem je ca. 400.000 Einwanderungsplus, die jeweils 2016 und 2017 zu verzeichnen waren, waren weniger als 25% Muslime, also weniger als 100.000.

Dafür sorgen die restriktiven Regelungen der letzten Zeit, die in Zukunft eher noch verschärft werden.

(Vorbehalt: Die Türkei – Erdoganistan -  könnte sich katastrophal entwickeln und Millionen Türken könnten dann versuchen, nach Europa zu fliehen …)

Nehmen wir realistisch an, pro Jahr hätten wir weiterhin einen Saldo von plus 100.000 Muslimen, dann wäre das 1 Million pro Jahrzehnt, 3 Millionen pro Generation.

Was spricht gegen diese Annahme? (Wahrscheinlich ist eher eine geringere Zahl pro Jahr.)

Im Falle einer stärkeren Welle wäre anzunehmen, dass sich die Restriktionen ebenso verstärken würden.

Auch ohne einen Einwanderungsstopp für Muslime wird also der Anteil der Muslime in Deutschland bis 2050 nur wenig über 10% wachsen. Wenn überhaupt.

(3)

Völlig unterschätzt Sarrazin die Wirkung der westlichen Gesellschaft auf die Muslime.

Zugegeben: Ein  nicht unbeträchtlicher Teil igelt sich in seine durch die Religion zementierte patriarchalische und autoritäre Welt ein, entwickelt aus der Parallelgesellschaft eine aggressive GEGENgesellschaft.

Aber ein ebenso nicht unbeträchtlicher Teil öffnet sich in der zweiten und dritten Generation der westlichen, säkularen, hedonistischen, liberalen Kultur.

Dieser Teil fällt nicht so stark auf wie derjenige, der gegen die Integration in unsere Kultur Widerstand leistet.

Betrachten wir die Deutschtürken. Hier schwindelt Sarrazin mit der Behauptung, zwei Drittel von ihnen hätten Erdogan gewählt.

Es ist etwa ein Drittel. Denn die Hälfte der deutschtürkischen Wahlberechtigten hat an der Wahl nicht teilgenommen. Aus welchen Motiven? – Die einen, weil sie sich nicht mehr an der Türkei orientieren. Die zweite Gruppe, weil keine Partei dabei war, die sie wählen wollten. Die dritte Gruppe, weil man, wäre man an die Urne geschritten, zwar gegen Erdogan gestimmt hätte, sich aber nicht sicher war, ob dies nicht registriert worden wäre. Ich nehme an, die erstgenannte Gruppe ist die größte.

Wie gesagt, Menschen, die sich einfügen, fallen nicht auf. Umso mehr die anderen, etwa die Erdoganwähler, die mit einem Drittel der Deutschtürken immerhin 1 Million Einwohner stellen.

Also: Nach und nach bewegt sich ein erheblicher Teil der eingewanderten Muslime kulturell hin zur westlichen, zur säkularen, liberalen, hedonistischen Lebensweise ihrer Umwelt. Nicht so sehr in der ersten Generation, aber in der zweiten und dritten.

Der Anteil der traditional oder fanatisch gläubigen Muslime wird kaum zunehmen, auch wenn der Anteil der muslim-stämmigen Menschen steigen wird.

Dass die Übernahme der Leitwerte (nicht: “Leitkultur”!) ihrer deutschen Umwelt nur bei der Hälfte oder bei zwei Dritteln passiert, dass also ein Drittel oder eine Hälfte radikal antideutsch, antiwestlich, antiliberal bleibt oder wird, auch in der zweiten und dritten Generation, das ist allerdings Grund zur Besorgnis.

Nicht, weil diese Gruppe eine Mehrheit unter uns werden könnte, sondern weil die massiven Frustrationen in dieser Gruppe früher oder später zu gewalttätigen Übergriffen führen werden. (Und diese wiederum zu entsprechend barbarischen Gegenreaktionen.)

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