Erdogans Besuchs-Fiasko: Das Stadion pfeift!

tuerkeiEs sieht ganz so aus, als ob der “Versöhnungsbesuch” von Erdogan in Berlin und Köln die Verhätlnisse zwischen Deutschland und der Türkei verschlechtern wird.

Von Versöhnung oder einem Neubeginn wird wohl nicht mehr die Rede sein können.

Unsere Regierung hätte es schon gern gesehen, wenn man sich mit dem Großen Führer der Türkei friedlich hätte treffen können. (Aus guten Gründen, wie ich nochmal betonen möchte.)

Aber auf Erdogan ist eben Verlass.

Erst droht der die Pressekonferenz abzusagen, wenn Can Dündar daran teilnimmt. Dieser gibt nach. (Er hat im Grund sein Ziel erreicht! Erdogan HAT sich mit der Drohung hinreichend deutlich geäußert. Da braucht es keine Worte mehr.)

Dann dies:

Der Journalist Ertugrul Yigi wurde vor laufenden Kameras von Sicherheitsleuten abgeführt. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift «Gazetecilere Özgürlük – Freiheit für Journalisten in der Türkei». «Ich habe nichts getan», rief der Mann, der eine Akkreditierung für die Pressekonferenz trug. Erdogan lächelte zunächst nur.

Davor noch die Forderung nach Auslieferung von 69 Journalisten und von Gülen-Anhängern. (Berlin wird hier einfach weghören. War das was?)

Seinen Anhängern signalisiert Erdogan mit dem Rabia-Gruß: Ja, ich bin ein Muslimbruder! Einer von euch! Ein Terrorist also!

In Köln der Moschee-Eröffnungs-Skandal. Der wird noch schwerwiegende Folgen für DITIB haben. Die Moschee dort ist nun beinahe schon Feindesland. (Erdogan ist noch nicht dort. Mal sehen, wie das ausgeht.)

Merkel spricht von “tiefgreifenden Differenzen”. Sie sieht sich – sicherlich gegen ihren diplomatischen Willen – gezwungen, sich deutlich und schon ziemlich undiplomatisch von Erdogan und seiner Türkei zu distanzieren und vielleicht dann doch tatsächlich die Frage der Menschenrechte ansprechen – mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung:

Die Umfragen sind überdeutlich: KEINE Hilfe für die Türkei! Unter gar keinen Umständen! (Wie gesagt, ich halte DAS für einen Fehler und lobe Berlin dafür, dass man einen Weg sucht, um der Türkei helfen zu können. Denn wir haben KEIN Interesse an einem Kollaps der Türkei – der Flüchtlingsströme wegen, die die Folge wären. Ich gehöre also zur Minderheit der 16%, die an sich positiv zu Hilfen stehen, gegen 71%, die kategorisch ablehnen.)

Und schließlich die Demonstrationen GEGEN Erdogan.

Und die vernichtenden Berichte in so gut wie allen Medien.

Es geht wie im Stadion, als Gündogan ausgepfiffen wurde. Erdogan ist einfach nur eine Belastung für jeden bei uns, der mit ihm zu tun bekommt.

So wird dieser Staatsbesuch – so scheint es im Moment jedenfalls – zum Fiasko.

Das für unser Migrationsthema Wesentliche ist hier auf den Punkt gebracht:

Obwohl er auf eine „große Rede“ vor Türken in Deutschland offenbar verzichtet, hält Erdogan an seiner Strategie fest, die Deutschtürken politisch zu mobilisieren, um den Interessen der Türkei zu dienen.

Ein Sprecher seiner Regierungspartei AKP ging damit am Donnerstag an die Öffentlichkeit, über die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu: Auslandstürken seien „eine riesige Machtbasis für die Türkei“, die es möglichst optimal auszubauen gelte.

AKP-Vize Cevdet Yilmaz sagte: „Wir wollen, dass unsere Staatsbürger im Ausland sich aktiv in der Politik engagieren.“

Sie sollen nicht nur wählen gehen, sondern sich in politischen Parteien engagieren – egal in welchen – und auch als Kandidaten für Wahlen auf allen Ebenen bewerben.

Dabei sei es wichtig, sich nie assimilieren zu lassen und die Interessen der Türkei immer zu berücksichtigen.

In diesem Sinne wird Erdogans Deutschland-Besuch seine Wirkung auf viele Deutschtürken wohl nicht verfehlen. Auch ohne große Rede.

Bei einigen unter uns wird es noch ein bisschen dauern, bis sie verstanden haben, was uns da zugemutet wird.

Andererseits: Den Paranoikern sei gesagt, dass sich die Erdoganisten Illusionen machen. Unser Widerstand wird nach und nach so massiv werden, dass das Gegenteil von dem passieren wird, was der AKP-Vize verkündet.

Ergänzung:

Cevdet Yilmaz wünscht sich das politische Engagement von Erdotürken in den deutschen Parteien. Wie soll das aussehen?

Es gibt aber wohl ein wichtigeres Engagement der Erdotürken  – hier:

In der Berliner Polizei spitzeln Beamte für die Türkei und geben Daten von Exil-Oppositionellen weiter.

Nach Informationen der Zeitung versucht der türkische Geheimdienst (MIT) Spitzel unter deutschen Staatsbediensteten zu rekrutieren. Und nicht nur das: Ein Polizist des gehobenen Dienstes soll die Meldedaten von Exil-Oppositionellen an türkische Behörden weitergegeben haben.

Die Ermittlungen halten an, die Berliner Polizei äußerte sich zu diesem Fall wie folgt: : “Wenn sich der Verdacht der Übermittlung sensibler Daten an die türkische Botschaft gegen einen unserer Kollegen im Zuge der bereits laufenden Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft und das LKA bestätigen sollte, wurde hier nicht nur ein Diensteid gebrochen, sondern eine schwere Straftat begangen. Ein solcher, durch einen Einzelnen verursachter Schaden, könnte nicht rückgängig gemacht werden.”

Berliner Politiker aller Parteien empörten sich über diese erneuten Spionagevorwürfe der Türkei in der Hauptstadt. “Sollten sich diese Vorwürfe als wahr erweisen, ist das erneut ein deutlicher Vertrauensverlust und macht deutlich, wie zerrüttet die Partnerschaft zwischen Deutschland und der Türkei ist”, sagte der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Bijan Djir-Sarai.

Die SPD-Abgeordnete im Abgeordnetenhaus meinte, dies zeige erneut den “Kontrollwahn eines Autokraten”. Die Abgeordnete Kiziltepe (SPD) hält es für sehr wahrscheinlich, dass es sich nicht um einen Einzelfall handele sondern um ein ganzes Spionage-Netzwerk. Dieser Auffassung sind mittlerweile viele Journalisten.

Ergänzung am 29.9.:

Der Grünen-Politiker warf Erdogan vor, er wolle „die Deutschtürken in einer Art islamisch-nationalistischer Parallelgesellschaft an sich binden und unter den in Deutschland lebenden türkischen Exilanten mit seinem Spitzelsystem und jüngst der Denunzianten-App das Gift der Angst“ injizieren. Beides „dürfen wir nicht hinnehmen“, sagte Özdemir.

WELT

Türkische Demonstranten skandieren:

“wir sind das Militär, gleich kommt unser Führer”

tweet 15:04

Kommentare

  1. Korbinian meint:
  2. Korbinian meint:
  3. Danke für den Link zum ksta.

    Man mag es kaum aussprechen, aber Erdogan gibt damit rechtsradikalen Muslimfressern nachträglich fast recht. Die hatten von Anfang an gewarnt, hier werde nur der Machtanspruch des türkischen Staates in Stein gehauen. Erdogan bestärkt nun all jene, die nie an ein Miteinander von muslimischen und nicht muslimischen Kölnern geglaubt haben, weil sie Moscheebau stets mit Landnahme einer fremden Macht gleichsetzten. Und er schlägt all denen die Argumente aus der Hand, die bis zuletzt hofften, auch bei Ditib werde sich der Wunsch nach einem freundlichen, transparenten Miteinander von Muslimen und Nichtmuslimen durchsetzen. Damit wird der Endpunkt der 15-jährigen Streitgeschichte um das Gotteshaus zu ihrem Tiefpunkt. …

    Die türkische Seite versucht nicht einmal mehr den Eindruck zu kaschieren, die Moschee sei eine Art exterritoriale Zone, ein faktisches Herrschaftsgebiet des AKP-Staates. „Sollen es doch alle wissen“ scheint die Devise zu sein. So sprach Erdogan ganz offen davon, er werde in Köln die Moschee der Diyanet, also der türkischen Religionsbehörde und damit des türkischen Staates eröffnen.

    Man muss doch Erdogan dankbar sein, dass er das alles so offenbar macht. Im Moment kann er es sich noch leisten. Aber sicher nicht mehr lange. Dann kommt der Moment – und die Zentralmoschee wird tatsächlich geschlossen werden müssen.

    Es ist wie bei Manu hier auf dem Blog: Nicht die geringste Bereitschaft besteht, auf uns, auf die deutsche Gesellschaft, auf die deutsche Politik zuzugehen. Den Dialog zu suchen. Bereit zu sein, sich für Deutschland kompatibel zu machen. Alles ist Abgrenzung – und Selbstausgrenzung. Das wird nicht gut gehen.

  4. Die Reise habe die deutsch-türkische Freundschaft vertieft.

    WELT

    Meint Erdogan bei seiner Moschee-Rede.

    Die Reise habe die deutsch-türkische Freundschaft vertieft.

    Meinen auch die Erdogan-Medien.

    Angesichts all der massiven Feindseligkeit seitens der Medien und der Zivilgesellschaft, auch seitens vieler Politiker. Angesichts der den Großen Führer nervenden Kritik sogar aus Diplomatenmund: Steinmeier u. a.

    Trump lässt grüßen.

    Die Reise habe die deutsch-türkische Freundschaft vertieft.

    Wer ist hier Deutschland?
    Wo ist da eine Freundschaft mit der Türkei Erdogans? Mit seinen Anhängern?

    Was meinen unsere Medien? – Der Besuch war ein Fiasko für alle. Außer für die AfD, vielleicht.

    Am schlimmsten trifft es die Erdogananhänger in Deutschland. Aber auch unsere Regierung steht blöd da.

    Und Erdogan wird kaum bei den Investoren gepunktet haben. Was ja wohl der Hauptgrund für die Reise war: Schaut her, ich kann mit Deutschland, ich kann mit der EU, ihr könnt ruhig in der Türkei investieren und uns Dollars und Euros leihen.

  5. Frank Berghaus meint:

    Fiasko in Reinkultur.

    Schon das Bankett war nicht nett. An Steinmeiers Stelle wäre ich nach den Beleidigungen aufgestanden und hätte den Unhold allein weiterfressen lassen!

  6. Frank Berghaus meint:

    Das Protokoll der Schande. Hier hat es die Bild einmal recht ordentlich zusammengestellt (was ja bei denen nicht immer der Fall ist):

    https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/erdogan-bilanz-der-bittsteller-benahm-sich-wie-ein-berserker-57554356.bild.html

  7. Frank Berghaus meint:

    Wachen die Erdogan-Apologeten wie @fantomas nicht endlich auf, wenn sie sich dieses ungehörige Verhalten “ihres” Präsidenten anschauen?

    Das ist doch eine Schande für die Türkei!

  8. Frank Berghaus meint:

    “Ihr habt meinen Özil schlecht behandelt! Ich werde jetzt ein Döner-Verbot über deutschland verhängen. Dann werdet ihr alle elendiglich verhungern.”

    Nichts kann so blöd sein, dass es einem nicht im Zusammenhang mit dieser Besuchs-Katastrophe einfiele.

  9. Ich hab es inzwischen in meiner eigenen Umgebung mit Angriffen zu tun, die voll in Erdogans Heuchelei vom “deutschen Rassismus” einstimmen.

    Es gibt sogar ein ganzes Buch dazu. Schulze-Marmeling heißt der Autor.

    Wir beide, Frank, sind Rassisten, wenn wir Özil seine Verehrung des Diktators und Hetzers gegen Deutschland übel nehmen und meinen, damit könne er nicht mehr in der deutschen Nationalmannschaft auftreten.

    Eigentlich sind 90% der Deutschen Rassisten. Türkenfeinde. – Weil sie gegen Erdogan sind.

    Eine der Fragen, die sich mir stellt, ist: Wie schätzt die Regierung die Wirkung des Erdoganbesuchs auf ihre eigene prekäre Situation ein – auf die ständig wachsenden Zweifel von immer mehr Bürgern an dieser Koalition?

    Ich selber gehöre ja noch zu denen, die die Regierung in Sachen Erdogan-Besuch verteidigen. Aber die meisten, denen Erdogan stinkt, sind zu diplomatischen Differenzierungen nicht geneigt, sie sehen da wohl – irrtümlich – viel Arschkriecherei. Ich glaube kaum, dass dieser Staatsbesuch und sein Verlauf Merkel und Steinmeier und der SPD Pluspunkte gebracht hat.

    Aber besondert hart wird dieser Besuch DITIB und seine Anhänger treffen. Die Abneigung wächst und wächst. Die Kluft wird immer tiefer.

    Das wird noch eines Tages richtig gefährlich werden – in beide Richtungen. Es wird Übergriffe von deutschnationaler Seite geben – und dschihadistische Frustreaktionen von durchgedrehten jungen männlichen Erdoganfans. Das wird sich also nicht nur als Kluft vertiefen, es wird sich aufheizen.

    Noch ist es nicht so weit. Aber ist etwas in Sicht, das die Entwicklung dahin stoppen oder gar umdrehen könnte?

    Die Ditibianer gießen jedenfalls nur Öl ins Feuer. Unsere beiden MHPler, Manu und Fantomas, tun das selbe als Türkchauvinisten.

  10. Ein Artikel, der das Besuchs-Fiasko gut zusammenfasst:

    https://www.heise.de/tp/features/Erdogan-Der-Kaiser-ohne-Kleider-4178758.html

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