DITIB – Wie geht man mit diesem Integrationsproblem um? (1)

tuerkeiDas Erdogan-Besuchs-Fiasko, die anti-deutsche politische Einweihung der Kölner Zentralmoschee – darüber hab ich genug geschrieben.

Wie geht es nun weiter?

Zwei Informationen darüber.

Die erste gibt uns der Innenminister von NRW:

WELT: Die Ditib-Führung hat nun gezeigt, dass sie als verlängerter Arm der türkischen Regierung arbeitet. Ist sie noch ein seriöser Ansprechpartner in der Integrationspolitik?

Stamp: Ich glaube, dass zwei Dinge eine Rolle spielen. Zum einen sind es einige Funktionäre, die sich eindeutig nach Ankara orientieren, zum anderen gibt es einige in der deutsch-türkischen Gemeinde, für die Erdogan wegen der wirtschaftlichen Erfolge der Vergangenheit eine starke Identifikationsfigur ist. Ich erlebe aber auch umgekehrt, dass es in zahlreichen Gemeinden eine andere Entwicklung gibt als bei den Funktionären.

Ditib ist nicht gleich Ditib. Man muss differenzieren zwischen den einzelnen Gemeinden und dem Bundesverband. Wir haben auf Landesebene und vor Ort Reformer und liberale Gemeinden, die eine großes Interesse an einer offenen Ausrichtung in die Gesellschaft haben. Deshalb muss der Dialog mit den fortschrittlichen Kräften fortgesetzt werden.

WELT: Notfalls auch ohne den Ditib-Bundesverband?

Stamp: Unser Ziel ist es, den Dialog stärker auf einzelne Moscheegemeinden auszurichten und weniger auf die Verbände, die nur eine Minderheit der Muslime repräsentieren. Hier wollen wir neue Wege gehen.

Das ist ein Versuch. Ich fürchte, er führt nicht weit. Jeder Vereinsvorstand, der der Zentrale missliebig wird (also auch Diyanet und damit Erdogan), wird abgesetzt werden.

Aber versuchen sollte man es. Vielleicht ist es ja doch nicht so aussichtslos, wie ich vermute.

Die zweite Info ist vom 29.8.2018.

Die Bundesregierung stellt alle Zahlungen aus ihren Fördertöpfen zur Extremismus-Prävention für den umstrittenen türkischen Moscheeverein „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.“ (DITIB) ein.

Innenexperte Christoph de Vries (CDU) zu BILD: „Wer Nationalismus verbreitet, Hass gegen Christen, Juden oder Menschen ohne Glaubensbekenntnis verbreitet und hier im Auftrag der türkischen Regierung spioniert, kann kein Partner im Kampf gegen religiösen Extremismus in Deutschland sein.“

Deshalb habe die Bundesregierung mit dem Haushalt 2018 die „Konsequenzen gezogen und auf Bundesebene alle Förderungen für DITIB eingestellt.“ Das gelte auch für den Haushalt 2019. De Vries zu BILD: „Ich unterstütze diesen konsequenten Schritt der Bundesregierung ausdrücklich.“

Die Förderung islamischer Verbände (u.a. von DITIB) durch die Bundesregierung erfolgte über Jahre mittels diverser Förderprogramme verschiedener Bundesministerien. Die dafür insgesamt bereitgestellten Mittel betrugen nach BILD-Informationen in den Jahren 2014 bis 2017 genau 5 983 429,91 Euro.

Wie geht es weiter?

 

Kommentare

  1. Korbinian meint:

    Schau einer an. Da geht anscheinend einigen der Arsch auf Grundeis.

    https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-10/tuerkei-us-pastor-andrew-brunson-kommt-frei

  2. Falstaff meint:

    Eil: Türkisches Gericht verurteilt US-Pastor Brunson zu 3 Jahren Freiheitsstrafe. Die U-Haft wird angerechnet. Brunson darf die Türkei verlassen.

    Seit 2 Jahren wird US-Pastor Andrew Brunson in der Türkei festgehalten. Gestern berichteten Medien, dass sich Ankara und Washington auf einen Deal geeinigt hätten. [!!!]Heute nehmen sämtliche Zeugen ihre Anschuldigungen vor Gericht zurück[!!!] .

    So sieht er aus, der türkische „Rechtsstaat“.

    Maximilian Popp, SPIEGEL

  3. Wollen wir doch auch mal anerkennen, Falstaff,

    dass Erdogan, der Türkei Oberster Gerichtsherr (analog zu Hitlers Genitiv-Formulierung 1934, nach der Nacht der Langen Messer!), sich zu einem politisch richtigen (allerdings auch dringend gebotenen) Schritt durchgerungen hat. Sicherlich sehr gegen seine Neigung. Aber Der Große Führer der Türkei braucht jetzt mehr Anlehnung an den Westen – es ist ganz einfach Allahs Wille, der sich hier machtvoll durchsetzt. (Allah steht hier synonym für Dollar.)

    Interessant ist auch der Eiertanz im Fall Kaschoggi-SaudiArabien. Der blutige Ölprinz oder ölige Blutprinz tanzt dem Großen Meister böse auf der Nase herum – und der Große Meister kann peinlicherweise nicht viel tun, weil Allahs Wille es nicht zulässt. (Wie gesagt: Allah steht hier synonym für Dollar. Ziemlich ölige Dollars.)

    Ich denke aber, wir, also D + EU, sollten uns in dieser üblen Sache auf Erdogans Seite schlagen und den Saudi-Verbrecher den Mord so teuer wie möglich bezahlen lassen. Aber da hat dann leider Saudi-Freund Trump wieder ein Problem, noch mehr sein Schwiegersohn Kushner. Das Wolfsduo Erdo & Trump wird hier wohl weiter Kreide fressen – und der Mörder kommt davon.

    Ich, menschen- und völkerrechtlich gesinnt, würde sagen, Saudi-Arabien sollte den Mordprinzen Salman an die Türkei ausliefern müssen! Den offensichtlichen Auftraggeber des Mordes. Die Türkei könnte ihn dann für 100 Mrd Dollar an Saudi-Arabien zurückliefern, womit die türkische Wirtschaftskrise erst einmal gestoppt und vertagt wäre.

    Was ja doch auch in unserem europäischen Interesse wäre.

    Aber ich weiß schon, ihr alle denkt jetzt, der Leo spinnt, sowas Utopisches passiert doch NIE. Richtig. Trotzdem erlaube ich mir, es zu formulieren. Und ihr müsst zugeben, mein abenteuerlicher Vorschlag hat doch auch etwas für sich, oder?

  4. Fantomas007 meint:

    Was lese ich denn im Artikel:

    “Auch US-Medien hatten vor dem Prozess berichtet, es sei sehr wahrscheinlich, dass die Vorwürfe gegen den Geistlichen fallengelassen würden. Es gebe eine “geheime Vereinbarung” über Brunsons Rückkehr in die USA. An dieser hätten US-Präsident Donald Trump und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan mitgewirkt.”

    Ich glaube Erdogan hat sich das teuer bezahlen lassen. Seit gestern redet er von einer neuen Operation östlich des Euphrats und heute wird Brunson entlassen :)
    Scheiß auf Brunson, egal was er getan hat. Der Kampf gegen bewaffnete Terroristen ist viel wichtiger als Brunson.

  5. Frank Berghaus meint:

    Östlich des Euphrat ist ja auch osmanisches Gebiet, gehört also den All-Türken. Was wird denn da schon wieder an Grosskotzdenken fabriziert. Das hat doch die Türkei gar nicht zu interessieren, was dort passiert.

    Die zusammenbrechende Wirtschaft wird diese Aggressionen sehr bald in ihre Grenzen verwiesen.

  6. Frank Berghaus meint:

    Ich werde immer ungehaltener, wenn ich mir diese Grosstürken anhören muss, die zudem noch die deutsche Gesellschaft untergraben wollen. Soweit sie keinen deutschen Pass haben, gehören sie umgehend ausgewiesen und ihrem grossen Führer ans Herz gelegt.

    Mais ils n’ont pas les couilles à Berlin!

  7. Frank Berghaus meint:

    @Fantomas:

    Noch vor wenigen jahren hätte ich nicht geglaubt, dass du jemals auf dieses Niveau absinken könntest.

    Ich sehe mich getäuscht – und das schmerzt mich. :-(

  8. Fantomas007 meint:

    Alles gut, Frank! Beruhig dich wieder. Ich bin nicht dein Feind. Und auch kein Feind Deutschlands. Ich liebe die Türkei und wünsche ihr das Beste, egal von wem das Land regiert wird. Ich hab kein Bock auf eine Wirtschaftskrise und auch kein Bock auf ein Militärputsch. Und ich wünsche mir, dass der Terror aufhört. So einfach ist das. Alles andere dichtet ihr uns selbst an.

    Es soll sogar ein Video davon geben, wie Jamal Khashoggi ermordet wurde :

    “Demnach belegen die Bänder, dass Khashoggi erst verhört, dann gefoltert und schließlich getötet wurde. Mehreren Offiziellen zufolge sei die Leiche des Journalisten anschließend zerstückelt worden. ”

    https://www.n-tv.de/politik/Tuerkei-soll-Khashoggi-Mord-Video-besitzen-article20667101.html

  9. Bisher ist nicht zu erkennen, dass Erdogan für die Freilassung seiner Geisel Brunson etwas bekommen hat – außer, dass sich das Dollar-TL-Verhältnis ein winziges Bisschen verbessert hat.

    Dass der Großtürke vor der Kommunalwahl nächstes Jahr nochmal ein militärisches Abenteuer plant, glaube ich unbesehen. Die anti-amerikanischen Töne sind bei dem Großkotz nach wie vor dominant – lässt das nicht eher darauf schließen, dass die Amis nix gegeben haben?

    Zum Thema Wirtschaft hier eine Zusammenfassung:

    https://www.al-monitor.com/pulse/originals/2018/10/turkey-pins-hope-on-time-buying-measures-for-economy.html

    Wie können wir folgende Formulierung von Fantomas verstehen?

    Ich liebe die Türkei und wünsche ihr das Beste, egal von wem das Land regiert wird. Ich hab kein Bock auf eine Wirtschaftskrise …

    Kein Bock auf Wirtschaftskriese = kein Bock auf Erdogan?

    WENN Fantomas die Türkei liebt, müsste er Erdogan entschieden ablehnen. Tut er aber nicht. Kein Wort der Kritik. Im Gegenteil, die Hoffung auf große Kriegstaten, auf militärische Aggression überwiegt.

    (Wir erinnern uns: Fantomas bewundert die großen Tyrannen der Weltgeschichte, von Dschingis Khan bis Mao. Möge sich Erdogan ebenfalls als so einer entpuppen und die Türkei wieder G R O S S machen!)

    WENN Fantomas die Türkei lieben, Deutschland aber verbal ablehnen sollte (letzteres ist in den zwei letzten posts nicht enthalten), würde er uns täuschen. Denn er hat vor, unbedingt in Deutschland zu bleiben. Wir dürfen also schließen, er liebt Deutschland mehr als die Türkei. Man kann durchaus zwei Heimaten haben und beide verehren.

    Eigentlich sollte Fantomas doch mal die deutsche Regierung (also wenigstens Merkel, Maas und Steinmeier) lobend hervorheben. Sie haben seinen Großen Führer ordentlich empfangen und tun, was sie können, damit aus der Türkei nicht am Ende ein failed state wird. WENN Fantomas die Türkei wirklich lieben sollte, müsste er den drei Genannten dankbar sein.

    Vielleicht bedeutet die Formulierung, er sei kein Feind Deutschlands, eben dies. Aber Fantomas sollte es deutlicher ausdrücken.

    Wie steht es aber mit dem VOLK, mit den Deutschen? Zu diesen Erdoganverächtern ist das Verhältnis eines Großtürken bzw. Türkchauvinisten dann doch ziemlich feindselig, oder?

    Man stelle sich einmal vor, der Großtürke unternimmt seinen nächsten Angriff über die Grenze – und der Türkchauvinist von Hamburg namens Fantomas zeigt sich begeistert darüber in der deutschen Öffentlichkeit – was wäre da wohl die Reaktion? So ungefähr Krieg mit ihm! Das Beispiel zeigt, wie isoliert Fantomas in der deutschen Landschaft dasteht. Woraus wir einen Rückschluss ziehen können. Er muss kochen vor Ressentiment gegen uns.

    Dieser Schluss aber nun ist ein Irrtum, wie wir immer wieder empirisch feststellen können. Fantomas mag uns Deutsche trotzdem. Er fühlt sich unter uns wohl – wohler als unter den Türken in der Türkei.

    Warum macht er uns dann weis, er liebe seine Türkei und die Türken dort mehr als Deutschland und die Deutschen?

    Wie muss er die Türkei und die Türken dort verabscheuen, wenn er trotz der Feindseligkeit fast aller Deutscher gegen ihn und seine türkchauvinistische Orientierung diese ihm so bös gesinnten Deutschen den ihm völkisch verbundenen Türken vorzieht?

    Er sitzt wohl mit wundem Hinterteil zwischen den Stühlen. Auf die Dauer hält das kaum einer aus. Ein Typ mit eher schwachen Nerven und romantischem Gemüt wie Fantomas wird es nicht lange aushalten.

    Was wird mit dem armen Tropf passieren, wenn sich sein Großer Meister endgültig als Großer Versager entpuppt?

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