Bart Somers: Zusammen leben (5). Zugehörigkeit

(Fortsetzung zu Bart Somers Buch “Zusammen leben“.

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Bart Somers’ Mechelen bietet ein Modell, wie eine Stadt mit Integrationsschwierigkeiten fertig werden kann. In vielen anderen – vergleichbaren – Städten studiert man dieses Vorbild. Was lehrt es uns?

Zu den Grundsätzen gehört aber auch:

“Selbst die Extremisten, die sich nach Syrien aufmachen, bleiben – so streng wir sie auch bestrafen müssen, wenn sie jemals zurückkehren – Kinder unserer Gesellschaft. Sind sie Kriminelle? Ja. Sind sie gefährliche Extremisten? Gewiss. Aber es sind die Unsrigen.

Auch das ist ein Signal, dass man Bürgerschaft ernst nimmt, in guten wie in schlechten Zeiten.”

(Seite 135)

Ein Punkt, den Bart Somers immer wieder hervorhebt. Sie gehören zu uns. Die Salafisten gehören zu uns. Sie sind ein Teil unserer Gesellschaft. Gewiss Feinde der multikulturellen, offenen, demokratischen Gesellschaft – aber eben doch auch Teil von ihr.

Ich erinnere mich an unseren Münchner Fall “Mehmet”. 1998 wurde der 14jährige in die Türkei deportiert.

Bis zu seinem 14. Geburtstag hatte „Mehmet“ mehr als 60 Diebstähle und Einbrüche, Körperverletzungen, Erpressungen, Nötigungen und Raubüberfälle begangen.

Als er 1998 mit 14 Jahren – und damit strafmündig – einen Schüler krankenhausreif schlug und das bewusstlose Opfer ausraubte, wurde er am 9. Oktober desselben Jahres vom Amtsgericht München zu einer Jugendstrafe von 12 Monaten verurteilt.

Ein “Scheißkerl”, dieser “Mehmet”, aber eben UNSER “Scheißkerl”. WIR haben ihn zu verantworten. Also haben wir ihn auch auszuhalten. Und die nötigen Maßnahmen selbst zu treffen. Wie kann man ein “Münchner Kindl” (auch wenn die Eltern keinen deutschen Pass haben) in die Türkei deportieren?

Uns ist heute klar: Sie alle gehören zu uns – egal, wie sehr sie uns ärgern und schaden. Die Reichsbürger gehören zu uns, Gauland-Höcke-Weidel-Meuthen gehören zu uns, die Salafisten gehören zu uns, die Erdotürken gehören zu uns, Parallelgesellschaften gehören zu uns, GEGENgesellschaften genauso, die Kriminellen, die in München-Stadelheim einsitzen, gehören zu uns …

Diese Frage ist inzwischen entschieden. Lange haben sich die (meisten) Deutschen gesträubt dagegen, die Einwanderer als zugehörig zu erkennen. Inzwischen ist das kaum noch eine Frage – außer natürlich für AfDler und für besonders viele Bürger Ostdeutschlands.

Deutschland erkennt sich als multikulturelles Land, als offene Gesellschaft.

Mafaalani – in seinem viel gelesenen, viel diskutierten Buch (ich werde auch bald auf das “Integrationsparadox” zurückkommen) – sieht uns alle um einen großen Tisch sitzen. Wir sind wir. Alle zusammen. Auch die Eingewanderten. Sie reden heute mit. Und (fast) alle hören zu. In unseren Konflikten streiten wir uns nun auf Augenhöhe.

Fortsetzung folgt.

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