Lasst sie nur einfach gewähren! Und seid nett zu ihnen! Dann löst sich das Problem mit der Zeit. -?

migrationNachdem mich meine Gegner nicht selbst widerlegen wollen, zitiere ich mal den Versuch eines guten Kommentators beim österreichischen standard, Hans Rauscher.

Ich vermute, dass einige hier mit dem Kopf nicken werden.

Richtig ist, dass Migration ein Großthema des beginnenden Jahrhunderts ist, das man gar nicht genug studieren kann. Wer etwas über eine der größten Migrationsbewegungen lernen will und New York besucht, sollte den Bootsausflug nach Ellis Island nicht versäumen.

Über die Einwandererbehörde auf Ellis Island kamen Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts Millionen von Immigranten in die USA. Diese “Ausländerflut” – zwischen 1880 und 1924 26 Millionen Menschen aus ganz Europa – hat die USA unauslöschlich geprägt.

In den hervorragend gestalteten Ausstellungsräumen sieht man die ungeheure Vielfalt all dieser Schweden, Finnen, Iren, Italiener, Deutschen, Ukrainer, Polen, Russen, Griechen, Juden, et cetera, et cetera, die aufgenommen wurden.

Dabei fällt auf: Sie bildeten zunächst zum Selbstschutz und zur Vergewisserung ihrer Identität “Parallelgesellschaften”.

Die Religion war ausdrücklich ein kulturelles Bindemittel. Dabei denkt man unweigerlich an die heutigen “Parallelgesellschaften” und ihr Sich-Klammern an die Religion.

Und wenn heute die patriarchalische Rückständigkeit vieler Einwanderergesellschaften in Europa beklagt wird – damals kamen scharenweise Analphabeten aus den finstersten Ecken Osteuropas.

Und die Einwanderer stießen – wie heute – auf erbitterte Gegnerschaft derer, die schon da waren (vor allem jener angelsächsischer Herkunft; Katholiken waren in den protestantischen USA eine Zeitlang so gehasst und gefürchtet wie Muslime bei uns heute).

Dennoch gelang die Integration, in vielen Fällen Assimilation. Es sind patriotische Amerikaner geworden.

Das stimmt alles.

Heißt das, dass es auch diesmal mit der Einwanderung so kommen wird?

Man könnte also mit Rauscher so argumentieren: Lasst den Einwanderern nur genug Zeit, auch in ihren Parallelgesellschaften, früher oder später kommt die Verschmelzung. Die Modernisierung der Lebensentwürfe. Die vollständige Integration, am Ende die Assimilation in eine multikulturelle Gesellschaft, eine offene und vielfältige Gesellschaft.

Wie weit reicht die Parallele? Ist das, was heute passiert, wirklich genau das Gleiche, oder jedenfalls so gleich, dass das Ergebnis das Gleiche sein wird?

Man müsste dann doch im einzelnen prüfen, wo die Ähnlichkeiten liegen und wo die Unterschiede – und welche Folgen die Unterschiede haben könnten.

Fortsetzung folgt: Ein Versuch, die Ähnlichkeiten und Unterschiede zu analysieren.

Kommentare

  1. Frank Berghaus meint:

    Die Vergleichbarkeit mit den USA scheint mir nur in begrenztem Umfang passend zu sein. Ich habe mir intensiv Little Italy in New York und China Town in San Francisco angeschaut und mit vielen Leuten dort gesprochen. Und das waren ja wohl die “Ghettos”, von denen man spricht.

    Sind sie mit Neukölln oder Marxloh vergleichbar? Wird es sich in unseren Problembezirken ähnlich positiv entwickeln wie in den USA?

    Ich habe da erhebliche Zweifel, da selbst und gerade in der dritten Generation nur recht wenige sich aus der patriarchalischen Gesellschaft wirklich lösen – lösen wollen.

    Ich mache das immer an einem sehr simplen Punkt fest, den man lächerlich finden mag. Die Italos und Chinesen waren in dem Augenblick integriert als glühende Amerikaner, als sie ihren Kindern amerikanische Vornamen gaben: Frank Sinatra und John Chen sind Zeugen.

    Auf Frank Özdemir oder Johann Abdallah warten wir bisher noch vergeblich.

    Wir wir dahin kommen, ist eine andere Frage, die wir auf dem neuen Blog besprechen sollten.

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